Manchmal erkennt man den eigenen Weg erst im Rückblick.
Als wir mit der LP³-Reihe begannen, stand eine einfache Frage im Zentrum: Wie kann Führung menschlicher, wirksamer und nachhaltiger werden? Es ging um Leadership. Um die Frage, wie Menschen führen können, ohne andere nur als Ressourcen zu behandeln.
Heute, mehrere Bücher später, sehe ich klarer. Alle diese Bücher kreisen um eine grössere Frage:
Wie können Menschen so zusammenarbeiten, dass Sinn, Verantwortung und Wirkung nicht auseinanderfallen?
Vom Leader zum Team
Mit Leader für eine nachhaltige Wirtschaft begann die Arbeit an einer gemeinsamen Leadership-Sprache. Führung sollte verständlicher werden, näher am Alltag: Potenzial erkennen, Wirkung ermöglichen, Leistung in einem menschlichen Umfeld entstehen lassen.
Doch gute Führung allein genügt nicht. Ein Unternehmen verändert sich nicht nur durch Vorgesetzte, sondern durch alle, die darin arbeiten. So entstand Team für eine nachhaltige Wirtschaft.
Eine der wichtigsten Einsichten aus dieser Zeit: Teamfähigkeit beginnt nicht bei Harmonie. Sie beginnt bei Selbstreflexion. Wer wirksam mit anderen arbeiten will, muss bereit sein, sich selbst zu beobachten.
Die drei Fragen
Über alle Bücher hinweg tauchen drei Fragen immer wieder auf:
Kenne ich mich?
Höre ich auf mich?
Mag ich mich?
Sie wirken schlicht. Und doch führen sie in die Tiefe. Habe ich verstanden, wie ich denke, reagiere, blockiere oder ermögliche? Handle ich danach – oder sammle ich nur Einsichten? Und stehe ich in einer guten Beziehung zu mir selbst?
Diese drei Fragen sind bis heute ein Kern jeder Führungs- und Selbstführungsarbeit geblieben.
Zusammenarbeit über Grenzen hinweg
Mit Partner für eine nachhaltige Wirtschaft verlagerte sich der Blick noch einmal. Ein gutes Team reicht nicht, wenn Abteilungen gegeneinander arbeiten. Nachhaltige Wirkung entsteht erst dort, wo Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gelingt: zwischen Bereichen, zwischen Unternehmen, zwischen Menschen mit unterschiedlichen Interessen.
Partnerschaft bedeutet nicht Freundlichkeit. Sie verlangt Verbindlichkeit, Vertrauen, Augenhöhe. Die Bereitschaft, sich nicht nur für den eigenen Bereich zu optimieren, sondern für das Ganze.
Das klingt einfach. In der Praxis ist es anspruchsvoll. Denn wir alle kennen Silodenken, Konkurrenz, das Bedürfnis, recht zu behalten. Partnerschaftliches Arbeiten beginnt dort, wo diese Muster bewusst werden.
Nach der Pandemie
Dann kam die Pandemie. Und mit ihr Unsicherheit, Distanz, Erschöpfung, digitale Beschleunigung. Teams mussten sich neu organisieren. Führungskräfte mussten Vertrauen geben, ohne alles kontrollieren zu können.
In dieser veränderten Welt entstand Oktokratie – für sinnvolle, wirksame Zusammenarbeit. Ein Übergang: die früheren Gedanken weitergeführt, ein Schritt in Richtung Organisationsmodell.
Inspiriert vom Oktopus beschreibt sie Organisationen, in denen einzelne Einheiten eigenständig handeln, ohne die gemeinsame Ausrichtung zu verlieren. Acht Arme, beweglich und autonom. Und doch ein Kopf, eine Koordination. Nicht alte Hierarchie. Nicht naive Hierarchielosigkeit. Bewegliche Verantwortung mit klarem Kopf.
Spannung als Kraft
Ein Gedanke daraus beschäftigt mich besonders: Spannung ist nicht einfach ein Problem. Spannung zeigt, dass etwas in Bewegung ist.
Verdrängen wir sie, wird sie destruktiv. Dramatisieren wir sie, blockiert sie uns. Nehmen wir sie ernst, kann sie zur treibenden Kraft werden.
Dazu braucht es Räume für Gespräch und Vertrauen. Im Buch nennen wir das Buddy-Modell: ein Gegenüber, mit dem ich meine Spannungen prüfen kann, bevor ich sie ins System trage.
Schreiben als Klärung
Wenn ich auf diese vier Bücher schaue, erkenne ich auch eine Entwicklung meines Schreibens. Am Anfang stand die Vermittlung: Modelle erklären, Begriffe ordnen, Werkzeuge bereitstellen.
Mit der Zeit wurde mir klarer: Schreiben ist für mich Klärung. Ich schreibe, um Zusammenhänge sichtbar zu machen. Um Erfahrung zu verdichten. Um einfache Fragen so zu stellen, dass sie weiterwirken.
Vielleicht ist das der rote Faden: Komplexe Zusammenarbeit beginnt mit einfachen, ehrlichen Fragen.
Was bleibt
Nach vier Sachbüchern bleibt eine Grundüberzeugung: Nachhaltige Wirtschaft beginnt im Umgang mit Menschen. Sie steht in keinem Leitbild und auf keiner Strategiefolie. Sie wächst dort, wo jemand Verantwortung übernimmt, wo jemand zuhört, wo Vertrauen entsteht.
Am Anfang fragte ich: Wie gelingt gute Führung? Heute frage ich weiter: Wie gelingt sinnvolle Zusammenarbeit in einer Welt, die unsicher bleibt?
Bücherbestellungen
Leader, Team & Partner: nast-leadership.ch/buecher
Oktokratie: jahrundtag.com
Ausblick: Das Liebesrad
Im Spätsommer erscheint mein neues Buch Das Liebesrad. Nach Leadership, Team, Partnerschaft und Oktokratie führt mich dieser Weg an den Ursprung jeder Zusammenarbeit zurück: zur Beziehung. Bevor Menschen führen, kooperieren oder entscheiden, begegnen sie einander. Oder sie verfehlen sich.
Das Liebesrad ist kein Ratgeber. Keine schnellen Tipps, keine Rezepte. Eher ein Raum. Ein Rad mit zwölf Speichen, in dem Lebendigkeit, Liebe, Angst, Prägungen, Verlust, Werte und Offenheit miteinander in Beziehung treten. Keine Speiche ist wichtiger als die andere. Gerät eine aus dem Gleichgewicht, verändert sich die Bewegung des Ganzen.
Es will nichts reparieren. Es will Wahrnehmung öffnen.
Das Buch erscheint im Spätsommer. Vorbestellung bitte per Mail: info@jahrundtag.com

