Fehlerkultur? Kultur der Fehler?

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Wenn Sie im Flugzeug sitzen, sind Sie sicher dankbar, dass der Pilot Ihres Flugzeuges fehlerfrei arbeitet. Gleiches gilt für den Herzchirurgen. Wie ist es mit Ihrem Chef und Ihren Kollegen – dürfen diese Fehler machen?

Das Wort Fehlerkultur geistert schon eine Weile in den Firmen und in Behördenkreisen herum. Was aber bedeutet es? Fehler überall ok und willkommen? Aber doch sicher nicht in der Produktion, der Spedition, in Krankenhäusern oder im Topmanagement!? Es ist verständlich, dass sich jede Unternehmung darum bemüht, die Fehlerquote tief zu halten. So wenig es sein kann, dass Fehler nachlässig behandelt werden, genauso wenig ist es zielführend, dass man für Fehler bestraft wird.

Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt. Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht   –   Laurence Johnston Peter

Erinnern Sie sich, wie Sie laufen gelernt haben? Wie oft sind Sie umgefallen und wieder aufgestanden? Besser wird man, indem man Fehler macht und möglichst viel daraus lernt. Das kann auch ein gemeinsamer Prozess im Team sein.

  1. Es geht nicht darum, keine Fehler zu machen – das geht gar nicht. Es geht darum, wie Sie mit Fehlern umgehen. Wie Sie mit Ihren eigenen Fehlern leben können und wie Sie auf Fehler von Menschen in Ihrem Umfeld reagieren.
  2. Es macht keinen Sinn, Fehler zu sanktionieren. Sanktionen erzeugen Angst, und Angst erzeugt wiederum Fehler. Vielversprechender sind Rückfragen und selbstreflektiertes Verhalten: Was sprechen Sie wie an? Wie stehen Sie zu Ihrem eigenen fehlerhaften Tun?

Fehler passieren: Sie wollten sich keinen Patzer in der Präsentation erlauben und hatten ein Blackout. Sie gaben sich bei einem wichtigen Essen grosse Mühe, nicht zu kleckern, und Sie taten es trotzdem. Sie wollten bei einem Lohngespräch ruhig, gelassen und selbstsicher wirken, und Ihre Stimme versagte.

  1. Es geht um einen positiveren Umgang mit den eigenen Ängsten. Was passiert, wenn Sie Fehler zugeben? Verlieren Sie an Würde und Kompetenz? Eher nicht. Möglicherweise stehen dann auch Kollegen zu ihren Fehlern.

Leider sind wir alle darauf konditioniert, dass wir für Fehler sanktioniert werden. Das ganze Schulsystem baut darauf auf, dass nicht etwa eine gute Leistung wirklich honoriert wird. Es zeigt immer auf, dass man es noch hätte besser machen können und sollen. Wir kommen derart angstgeprägt im Beruf an, dass wir uns möglichst fehlerfrei durchs Leben bewegen wollen.

  1. Ständig auf der Hut zu sein, dass kein Fehler passiert und dass wir möglichst perfekt durchs Leben kommen – das kann sehr energieraubend sein. Und wenn trotzdem ein Fehler geschieht, schämen wir uns dafür, es nicht besser gemacht zu haben.
  2. Das Gefühl von Scham führt bei den meisten dazu, dass sie ihr fehlerhaftes Arbeiten vertuschen und verstecken. Vor sich selbst und vor allen anderen.

Dieser Umgang mit Fehlern ist kräfteraubend. Also fassen Sie sich ein Herz, und seien Sie sich selbst und anderen gegenüber etwas verzeihender. Verwenden Sie die freiwerdende Energie dafür, den Fehler (den Sie ohnehin früher oder später machen werden) zu verstehen, und Sie finden mit Sicherheit einen Weg, dass dieser nicht wieder vorkommt.

  1. Ein offenes Gespräch vom Chef zum Mitarbeiter oder zwischen Mitarbeitern unter sich ist viel lösungsorientierter. Es geht nicht darum, den Finger in eine Wunde zu stecken, sondern gemeinsam herauszufinden, was passiert ist, und sich zu verbessern. Dann können Sie von Fehlerkultur sprechen. Noch besser leben Sie eine Lernkultur.

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Photo: iStock

© Thomas Nast, Nast Leadership Training

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